[Bundestagswahl 2025: Wie tickt Friedrich Merz? | ZEIT ONLINE](https://www.zeit.de/kultur/2025-01/bundestagswahl-2025-friedrich-merz-persoenlichkeit-biografien-autoren) 

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© Julia Steinigeweg/​Agentur Focus

Er könnte bald der mächtigste Mann Deutschlands sein: Wir haben drei Merz-Biografen zum Gipfelgespräch eingeladen – über sein Frauenbild, seine Polemiken und seine Wut.

8\. Januar 2025, 9:23 Uhr

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_Der Kanzlerkandidat der Union polarisiert: Hat Friedrich Merz gelegentlich mit populistischen Aussagen Stigmata bedient, wie seine Biografin Sara Sievert feststellt? Oder ist er nur "ein bisschen sperrig", wie Jutta Falke-Ischinger meint, ebenfalls Merz-Biografin? Oder ist es sogar gut, die "sprachlichen Aufpasser der Berliner Blase ein bisschen vor den Kopf zu stoßen", wie der dritte Biograf Volker Resing findet? Gerade erscheinen ihre drei Bücher über den Mann, der keine schlechten Aussichten hat, ins Kanzleramt einzuziehen._ _Wir haben die drei zusammengebracht._

**ZEIT ONLINE:** Frau Falke-Ischinger, Frau Sievert, Herr Resing, rettet [Friedrich Merz](https://www.zeit.de/thema/friedrich-merz) unsere Demokratie?

**Jutta Falke-Ischinger:** Die [CDU](https://www.zeit.de/thema/cdu) muss er wieder nach vorne bringen, durch einen klaren Wahlsieg. Aber nein, unsere Demokratie muss nicht gerettet werden. 

**ZEIT ONLINE:** Na ja, die Gewitterwolken sind schon ziemlich groß: Die drei Parteien der Ampelregierung sind gerade erbärmlich gescheitert. [Populistische und extremistische Parteien feiern Erfolge](https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-01/oesterreichs-praesident-beauftragt-rechte-fpoe-mit-regierungsbildung). Trump zieht demnächst ins Weiße Haus ein. 

**Falke-Ischinger:** Sagen wir es so: Die CDU denkt bereits an 2029. Wenn am Ende dieser Wahlperiode klar wird, dass die demokratischen Parteien nicht liefern, dann könnten die Ränder noch stärker werden. 

**Sara Sievert:** Nicht die Person Friedrich Merz, sondern der Kurs, den die CDU unter ihm einschlägt, wird in der Union als letzte Hoffnung gesehen. CDU und CSU müssen nur aufpassen, jetzt nicht das Blaue vom Himmel zu versprechen: Die Überschrift lautet "[Politikwechsel](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-12/friedrich-merz-bundestagswahl-politikwechsel-gruene)". Wenn der nicht in dem angekündigten Ausmaß spürbar wird, kann das gefährlich sein. Und die Union regiert, sollte sie die Wahl gewinnen, ja nicht allein.

**Volker Resing:** Aber Demokratie bedeutet doch Unterscheidbarkeit der Angebote. Deshalb ist es genau richtig, einen Politikwechsel anzukündigen. Wenn Wechsel möglich sind, rettet das die Demokratie tatsächlich. Und Friedrich Merz ist ein sehr unterscheidbarer Kandidat. Das hebt seine CDU auch von der CDU Angela Merkels ab. 

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Volker Resing, Jutta Falke-Ischinger und Sara Sievert beim Biografengipfel in der Berliner ZEIT-Redaktion (von links nach rechts) © Marlena Waldthausen für ZEIT ONLINE

**ZEIT ONLINE:** Manche Politiker setzen heute auf möglichst viel Disruption. Sie halten sich nicht an die bisher geltenden Regeln, tun Dinge, die sich nicht gehören. Sie suchen nicht den Kompromiss. Ist Merz auch so ein Regelbrecher? 

**Resing:** Ich finde das Wahlprogramm durchaus angriffslustig. In der Migrationspolitik hätte man sich zum Beispiel die geforderte Zurückweisung an den Grenzen noch vor drei Jahren nicht vorstellen können. 

**Falke-Ischinger:** Wirkliche Disruption sehe ich nicht. CDU und CSU wollen eigentlich nichts, was die Union früher nicht auch schon gefordert hätte. Wenn der Kandidat ein bisschen sperrig ist, kann das Programm nicht auch noch disruptiv sein. Ich schätze Friedrich Merz als zuverlässigen und gradlinigen Menschen. Er hat einen sehr klaren Wertekompass, nur seine Instinkte sind nicht in jeder Situation zuverlässig und funken ihm gelegentlich dazwischen. Er lässt sich dann schon mal rhetorisch hinreißen. Da kann man dann nur den Atem anhalten, ob das alles gut geht. 

**ZEIT ONLINE:** Merz sprach [vom Sozialtourismus ukrainischer Kriegsflüchtlinge](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2022-09/friedrich-merz-ukraine-gefluechtete-sozialleistungen-kriegsdientsverweigerer). Grundschulkinder mit Migrationshintergrund [nannte er kleine Paschas](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-01/friedrich-merz-cdu-chef-silvesterkrawalle-integration). Er behauptete, [Flüchtlinge ließen sich die Zähne machen, während deutsche Bürger warten müssten](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-09/friedrich-merz-asylbewerber-zahnarzt-cdu-chef). Sagte, [wenn er eine Frau wäre, würde er nicht in ein Taxi steigen, sofern der Fahrer ein Palästinensertuch trägt – als Mann aber schon](https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100500152/friedrich-merz-ueber-taxi-fahrt-habe-als-mann-anderes-selbstvertrauen-.html). Spricht hier ein Populist oder sind das einfach Pannen? 

**Sievert:** Friedrich Merz ist keinesfalls ein Populist. Er hat sich in der Vergangenheit allerdings immer wieder zu populistischen Aussagen hinreißen lassen. Er ist manchmal nicht gründlich genug mit Fakten und Zahlen. Und ihm ist dann nicht bewusst, dass er gewisse Stigmata bedient. Fairerweise muss man dazu sagen, dass die meisten seiner Aussagen mittlerweile deutlich beherrschter sind.

**ZEIT ONLINE:** Hat er aus seinen Fehlern gelernt? 

**Sievert:** Ja. Er ist immer noch hart in der Sache, aber sachlicher im Ton. Sein Auftritt ist staatsmännischer. Nur manchmal kommen dann doch noch so Momente. Zum Beispiel [seine Aussage im vergangenen Oktober, Geschlechterparität im Kabinett könne zu krassen Fehlbesetzungen führen](https://www.zeit.de/news/2024-10/16/merz-haelt-nichts-von-geschlechterparitaet-im-kabinett). Er verwies auf die zurückgetretene Verteidigungsministerin Christine Lambrecht und blendete damit die in den letzten Jahren gescheiterten Männer in Ministerämtern völlig aus. 

**Falke-Ischinger:** Damit tut er seinem Bild bei Frauen wirklich keinen Gefallen. Außerdem neigt er zu einer gewissen Sprunghaftigkeit. Von Mitarbeitern ist zu hören, dass er sich in Sachfragen oft vom jeweils letzten Eindruck beeinflussen lässt. Wenn er etwa an einem Tag vier Experten zur Klimapolitik empfangen hat, übernimmt er leicht mal die Meinung dessen, der zuletzt da war.

**Resing:** Zu seinem Charakter gehört es ja gerade, den sprachlichen Aufpassern der Berliner Blase ein bisschen vor den Kopf zu stoßen. Er ist routinierter geworden, aber dass er mit dem Ausdruck "kleine Paschas" AfD-Sprech verwendet, finde ich überzeichnet. Er hat Lehrerinnen zitiert, die dieses Wort benutzen. Die Aufregung darüber zeigt nur, dass eine korrekte Sprechweise zelebriert wird, welche die Probleme nicht wirklich adressiert, die viele Menschen bewegen. 

**Sievert:** Es gibt da einen wichtigen Unterschied. Er sagt in der Sendung selbst nicht, Lehrerinnen hätten "kleine Paschas" gesagt, sondern macht sich diese Wortwahl zu eigen. Und es ist einfach nicht dasselbe, ob eine Lehrerin etwas sagt, oder jemand, der den Anspruch erhebt, Bundeskanzler zu werden.

**ZEIT ONLINE:** Ist es ein Muster bei Merz, Aufsehenerregendes zu äußern, aber anschließend zu sagen, er sei missverstanden worden oder nur die Wortwahl zurückzunehmen? Das Signal ist gesetzt und seine Fans dürfen sich noch schön darüber aufregen, Merz würde völlig unfair missverstanden.

**Falke-Ischinger:** Das ist genau das Problem. Etwas sagen, es dann wieder zurücknehmen oder relativieren macht die Aussage ja nicht rückgängig. Es verstärkt das Gefühl, dass Merz nicht immer Herr seiner Sprache ist. Das weiß er auch selbst.