[Britta Ernst : "Ich habe mein eigenes Leben" | ZEIT ONLINE](https://www.zeit.de/2025/01/britta-ernst-bildungsministerium-brandenburg-olaf-scholz-spd) 

 Britta Ernst war Bildungsministerin in Brandenburg, heute berät sie die Jugendbegegnungsstätte Auschwitz. Ihr Ehemann ist Olaf Scholz. Eine Begegnung 

Aus der [ZEIT Nr. 01/2025](https://www.zeit.de/2025/01/index?utm_campaign=wall_abo&utm_content=premium_packshot_cover_zei&utm_medium=fix&utm_source=zeitde_zonpme_int&wt_zmc=fix.int.zonpme.zeitde.wall_abo.premium.packshot.cover.zei) Aktualisiert am 4. Januar 2025, 13:37 Uhr

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Britta Ernst, fotografiert im Deutschen Theater in Berlin. Theater ist eine ihrer Leidenschaften. © Paulina Hildesheim für DIE ZEIT

Britta Ernst schlägt ein Treffen beim Vietnamesen vor. Nichts Besonderes, Hauptsache, praktisch: Das Restaurant liegt um die Ecke der Wohnung in Potsdams Innenstadt, in der sie und [Olaf Scholz](https://www.zeit.de/thema/olaf-scholz) leben. Man sitze in dem Lokal nicht so eng neben den anderen Gästen, sagt Ernst, und sie kenne die Speisekarte schon. Abgemacht?

Wenn man sie dann fragt, ob es nicht einen Ort für das Treffen gebe, der etwas mehr über sie persönlich aussagt, kommt nach fast drei Tagen Bedenkzeit ein neuer Vorschlag per SMS: "Sans titre. Mikos Meininger macht für uns den Kamin an, dort ist es eher etwas frisch."

Am Dienstag vor Heiligabend betritt Britta Ernst also in Sneakers und Sportjacke das sans titre, einst ein abrissreifer Zweckbau aus DDR-Zeiten, heute ein Kunsthaus, das vollgestopft ist mit Bildern und Skulpturen. Sie schaut sich sofort interessiert in der Galerie und im Atelier um. Mikos Meininger, 61, zeigt ihr seine neuen Werke. Meininger ist ein gemeinsamer Bekannter von Ernst und Scholz, aber in ihrer Ehe halte sie den Kontakt zu Künstlern, sagt ein Freund.

"Das ist mein Vorschlag für das Einheitsdenkmal in Berlin", sagt der Künstler jetzt. Er präsentiert eine Skulptur: zwei gespreizte Schenkel. "Wie findest du es?" Ernst stutzt. Sie lächelt – die Frage ist ihr vielleicht zu heikel in Anwesenheit eines Reporters – und wechselt das Thema. Sie sei gerade oft in Ausstellungen, sagt sie. "Ich habe ja neuerdings Zeit."

Ernst, 63, hat ein neues Leben begonnen. Sie ist aus der Politik ausgestiegen. Seit April 2023 ist sie nicht mehr Bildungsministerin von [Brandenburg](https://www.zeit.de/thema/brandenburg). Aber so ganz kann man natürlich nicht aussteigen, wenn man die Ehefrau des Bundeskanzlers ist. So wie es überhaupt schwer ist, ein Leben nach eigenen Vorstellungen zu führen, wenn man mit einem Bundeskanzler verheiratet ist.

Sie hat es aber versucht. Ihr Weg, der Bezeichnung "die Frau von Olaf Scholz" zu entkommen, war es, sich weitgehend unsichtbar zu machen.

Britta Ernst gibt praktisch keine Interviews. Erst recht nicht an der Seite ihres Mannes. Es gibt keine Homestory, keine Talkshow-Auftritte. Würde man in einer Fußgängerzone die Menschen fragen, ob sie wissen, mit wem Olaf Scholz verheiratet ist, wüssten wahrscheinlich nur wenige die Antwort. Nur dort, wo sie selbst Politikerin war, kennt man die Kanzlergattin. Da sprach sie zum Beispiel über Lernplattformen oder Kita-Personalschlüssel. Und wenn sie dann doch mal nach Olaf Scholz gefragt wurde, antwortete sie: "Netter Versuch."

Man kann sagen, das Sich-Unsichtbar-Machen hat gut funktioniert.

Auf Instagram postet Ernst seit Neuestem viele leere Landschaften. Und verlorene Handschuhe, die ihr am Wegesrand begegnen. Als sie damit anfing, drehte ein Teil der Klatschpresse schier durch: Die Kanzlergattin pflege den Gedanken an die Vergänglichkeit, war zu lesen. Was denkt sie darüber? Ernst sagt kein Wort. Sie lacht.

Ernsts Follower-Zahl liegt bei knapp über 3.000. Früher wimmelte es auf den Fotos in ihrem Profil von Gruppenbildern, die sie, damals noch Ministerin, bei offiziellen Terminen zeigten. Da es nun aber kaum noch Öffentliches in ihrem Leben gibt, sondern fast nur Privates, hält sie sich sehr zurück. Sie hat schlechte Erfahrungen gemacht.

Vor wenigen Jahren wühlte ein Nachbar in ihrem Müll und fischte Papiere heraus, die er der Presse zuspielte, darunter private E-Mails, Auszüge aus Terminkalendern und Vorbereitungen für den [G7-Gipfel](https://www.zeit.de/thema/g7-gipfel) in Elmau. Dokumente also, die sie wohl besser hätte schreddern sollen. Als Britta Ernst und Olaf Scholz 2022 Urlaub im Allgäu machten, verfolgte die Boulevardpresse sie bei jedem Schritt, was beide sehr empört habe, wie Freunde berichten. Seither erfährt die Öffentlichkeit erst hinterher, wo das kinderlose Paar im Urlaub war: indem Britta Ernst ein paar Postkartenbilder bei Instagram hochlädt, im Sommer 2023 zum Beispiel von der Provence.

Dabei spielt die Politik bei dem Paar eine kaum zu unterschätzende Rolle. "Sie ist seine engste Beraterin", sagt Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, der beide gut kennt, "und wahrscheinlich ist sie auch seine härteste Kritikerin."