# «New York Times»: offener Brief wegen Trans-Berichterstattung

Clipped from: https://www.nzz.ch/feuilleton/mitarbeiter-der-new-york-times-wollen-nur-noch-eine-positive-berichterstattung-ueber-transgender-ld.1726905

# Mitarbeiter der «New York Times» wollen nur noch eine positive Berichterstattung über Transgender

`Lieber` soll man `schweigen`, als den ==Anstieg== von **Transdiagnosen** kritisch zu hinterfragen: In einem offenen Brief spannt ein Teil der Redaktion mit Aktivisten zusammen. Sollte die Zeitung die Forderung ernst nehmen, wären die Folgen fatal.

![Mitarbeiter werfen der «New York Times» Transfeindlichkeit vor. Mit kritischen Artikeln spiele die Zeitung den Rechten zu. Sitz in Manhattan.](https://img.nzz.ch/2023/02/20/29eee23d-c244-47ac-b109-edfad1cedc93.jpeg?width=654&height=421&fit=bounds&quality=75&auto=webp&crop=4092,2640,x0,y0)

Mitarbeiter werfen der «New York Times» Transfeindlichkeit vor. Mit kritischen Artikeln spiele die Zeitung den Rechten zu. Sitz in Manhattan.

Mitarbeiter werfen der «New York Times» Transfeindlichkeit vor. Mit kritischen Artikeln spiele die Zeitung den Rechten zu. Sitz in Manhattan.

Mitarbeiter werfen der «New York Times» Transfeindlichkeit vor. Mit kritischen Artikeln spiele die Zeitung den Rechten zu. Sitz in Manhattan.

## Mitarbeiter werfen der «New York Times» Transfeindlichkeit vor. Mit kritischen Artikeln spiele die Zeitung den Rechten zu. Sitz in Manhattan.

Justin Lane / EPA

Die «New York Times» ==macht sich in letzter Zeit imme</markr #verdächtig, nicht nur eine linksprogressive Agenda zu verfolgen, sondern auch aktivistisch Identitätspolitik zu betreiben. Frauen, Schwarze, Transmenschen – kaum eine Ausgabe, in der man sich nicht der Diskriminierung von Minderheiten annimmt.==

Deswegen verliess die Journalistin Bari Weiss die Zeitung vor zwei Jahren. Sie kritisierte die zunehmende Intoleranz in der liberalen Institution. Die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Newsroom hätten ihr zu spüren gegeben, dass sie nicht die richtige Gesinnung habe. Sie sprach von Mobbing. Glaubt man ihr, so lässt sich die «Times» selber von einer Minderheit terrorisieren.

## <span style="color: #2dc26b;">Dass</span> dieser linke, routiniert betroffene Flügel innerhalb der Redaktion noch stärker geworden ist, darauf deutet nun eine Aktion von vergangener Woche hin. In einem offenen Brief beschuldigen tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der «New York Times» das Blatt der tendenziösen Berichterstattung bei Transgender-Themen. Man mache sich

«ernste Sorgen über redaktionelle Voreingenommenheit», schrieben die Unterzeichner. Damit spiele die Zeitung dem Hass rechtsextremer Gruppierungen zu, wurde beklagt. Prominente wie die Whistleblowerin und Transfrau Chelsea Manning oder die Schauspielerin Cynthia Nixon unterzeichneten den Brief mit.

- <span style="color: #2a6c15;">Was kritisieren sie genau? Der offene [Brief](https://nytletter.com/?utm_source=substack&utm_medium=email) beanstandet ein paar Artikel in der «Times», die den starken Anstieg von Transdiagnosen und Behandlungen schon von Kindern kritisch hinterfragen. Dazu gehört ein Beitrag, in dem eine junge Frau berichtet, ihre Transition bereut und rückgängig gemacht zu haben. Nicht gepasst hat ihnen</span> der Kommentar, in dem eine «Times»-Kollegin J. K. Rowling verteidigte und schrieb, warum die Dämonisierung von Schriftstellern gefährlich sei, wie das Beispiel Salman Rushdie zeige.

Auch die Sprache wird kritisiert. So stört man sich in einem «Times»-Artikel am Wort «Patient» für ein Kind, das sich eine geschlechtsangleichende Behandlung wünschte: «Patient» verunglimpfe die Transidentität als Krankheit, die man fürchten müsse. Richtig gelesen.

## **Namentliches Beschämen von Kollegen**

Was im Brief nur nebenbei erwähnt wird: In den vergangenen Jahren hat sich die «New York Times» in zahlreichen Texten und Meinungsbeiträgen für die Rechte von Transmenschen ausgesprochen, und dies so einfühlsam und ausführlich, dass man manchmal den Eindruck erhielt, hier würde lobbyiert. Doch den Briefunterzeichnern wäre lieber, wenn nur noch positiv über Transthemen berichtet würde. Und man die gesellschaftlichen Debatten darüber ignorierte und die Kritik, die immer öfter auch aus medizinischen Fachkreisen ertönt.

1.  Die Briefunterzeichner nannten die Autorinnen und Autoren der kritischen Transartikel in der «Times» namentlich. Damit verstiessen sie gegen die interne Regel, Kollegen nicht öffentlich anzugreifen. Der «Times»-Chefredaktor Joseph Kahn verurteilte die Aktion in einem Statement scharf und wies darauf hin, dass die betreffenden Journalisten oft monatelang von Aktivisten belästigt und bedroht würden während ihrer Recherche.
2.  Das war aber noch nicht alles. Die Unterzeichner des Protestbriefs spannten offen mit Transaktivsten zusammen. Denn am selben Tag gab es einen zweiten offenen Brief an die Verantwortlichen der «New York Times», verfasst von der Non-Profit-Organisation Glaad und weiteren Bürgerrechtsgruppen. Glaad setzt sich für die Rechte und Sichtbarkeit von queeren Menschen in den Medien ein.

Die «Times» handle «unverantwortlich», indem sie Nicht-Transgender-Autoren ungenaue und schädliche Informationen über Transgender-Menschen verbreiten lasse, hiess es auch in diesem Brief. Das schade der Glaubwürdigkeit der Zeitung und Betroffenen, und es erhöhe die Suizidalität von Transjugendlichen. Die Aktivisten stellten Forderungen: Die Zeitung müsse sich regelmässig mit Verantwortlichen der Transgemeinschaft austauschen und mindestens vier Transpersonen vollzeitlich einstellen.

Auch diesem Brief schlossen sich bekannte Namen wie die Schauspielerin Lena Dunham oder der Regisseur Judd Apatow an. Aktivisten demonstrierten zudem vor dem Sitz der «New York Times» mit einem Plakatwagen, auf dem zu lesen war, die Zeitung solle nicht das Existenzrecht von Transmenschen infrage stellen. Als ob sie das täte.

## **Militant auftretende Minderheit**

Man wirft den Medien oft vor, sie hätten eine Obsession mit Transgender, als das sich gerade einmal 0,5 Prozent der Bevölkerung bezeichnen. Wenn man sieht, wie militant diese Minderheit auftritt und was für eine Definitionsmacht sie hat, kann man sie jedoch nicht einfach ignorieren.

Eine kritische Recherche wird heute bereits als Diffamierung ==empfunden==. Es wird mit Gefühlen argumentiert, und Kritiker werden als Leidverursacher unter Druck gesetzt. Zwar hat der Chefredaktor Kahn intern die unabhängige Berichterstattung seines Blatts verteidigt und geschrieben, dass man keine Teilnahme von Mitarbeitern an organisierten Protesten von Interessengruppen dulde. Was aber, wenn der Aufstand die künftige Arbeit doch beeinflussen sollte und sich Mitarbeiter in Zukunft zweimal überlegen, ob sie öffentlich als transphob beschämt werden wollen?

> Die linksliberale Zeitung muss nun dem Vorwurf standhalten, sie unterstütze mit kritischen Artikeln die politischen Absichten der Republikaner, die mit Anti-Trans-Gesetzen Wahlkampf betreiben und die Behandlung von Betroffenen massiv einschränken wollen. Nichts dergleichen wird in den beanstandeten Beiträgen gefordert. Würden die Journalistinnen und Journalisten jedoch nicht mehr fragen, warum sich heute so viele junge Frauen als Mann identifizieren oder welches Risiko besteht, wenn Kinder ohne sorgfältige psychologische Abklärung Pubertätsblocker erhalten, vernachlässigten sie ihre Pflicht.