[Russische Sabotage in Europa: Wie Russland einen hybriden Krieg in Europa führt | ZEIT ONLINE](https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-12/russische-sabotage-europa-spionage-pipelines-hackerangriffe) 

 [Russische Sabotage in Europa: Wie Russland einen hybriden Krieg in Europa führt | ZEIT ONLINE](https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-12/russische-sabotage-europa-spionage-pipelines-hackerangriffe) 

 [Russland](https://www.zeit.de/thema/russland) führt längst Krieg gegen Europa – und nicht nur gegen die Ukraine. Jeder Staat, der die ukrainische Regierung unterstützt, ist für die Machthaber in Moskau ein Gegner, den es zu bekämpfen gilt. Verunsichern, verängstigen, spalten, zersetzen – das sind die Ziele dieses hybriden Krieges, der mit vielen Mitteln und an vielen Orten gegen die Menschen im Westen geführt wird. Er begann mit Spionage und Schmierereien, mit Desinformationen und Lügen. Längst aber gehören auch Sabotageakte und sogar Brandanschläge zum Repertoire. Meist kommen dabei keine Menschen zu Schaden, aber die Auftraggeber in den russischen Geheimdiensten scheinen auch vor zivilen Opfern nicht mehr zurückzuschrecken. 

Seit 2022 mehren sich Fälle in ganz [Europa](https://www.zeit.de/thema/europa), die wichtigsten haben wir in der folgenden Liste aufgeführt. Die Zuschreibung ist oft schwierig, doch in mehreren Ländern konnten inzwischen Täter festgenommen werden, und es wurde klar: Sie handelten im Auftrag russischer Geheimdienste wie GRU und FSB. Neu ist, dass Russland dafür keine ausgebildeten Agenten schickt, sondern Unbeteiligte anwirbt. Über Telegram-Gruppen und private Kontakte werden Menschen geködert, die bislang nichts mit Geheimdiensten und Politik zu tun haben. Je nach Größe der Aktion werden ihnen ein paar Hundert, manchmal aber auch mehrere Tausend Dollar versprochen. Haben sie Erfolg, war es für Russland ein billiger Erfolg, werden sie geschnappt, war es kaum ein Verlust, und es werden neue Handlanger gesucht. Low-Level-Agents, Wegwerfagenten, nennen Nachrichtendienste daher diejenigen, die die Sabotageaktionen begehen.     

Mit diesen Aktionen will Russland die Verteidigungsfähigkeit der Nato-Mitglieder testen, will schwache und schlecht geschützte Stellen in der Infrastruktur suchen, will die Ermittlungsbehörden überlasten, will für Chaos sorgen. Je mehr Unsicherheit und Zweifel die Attacken provozieren, desto besser in den Augen des Kremls.

Spionage, Bundeswehr, Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz), August 2022
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In Idar-Oberstein und in Grafenwöhr werden in der Nähe der Kasernen [verdächtige Fahrzeuge registriert](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-02/spionage-bundeswehr-drohnen-russland-ukraine). Aus ihnen heraus seien offenbar die Kasernenzufahrten beobachtet worden, glaubt der Militärische Abschirmdienst. In Idar-Oberstein bildet die Bundeswehr ukrainische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 aus, in Grafenwöhr werden Ukrainer von US-Soldaten an Artilleriesystemen trainiert. 

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Drohnen werden von ausländischen Diensten zur Spionage eingesetzt. Noch fehlen der Bundeswehr Mittel, diese Drohnen einzufangen. Eine Methode setzt auf eine Abwehrdrohne, die ein Netz abschießt. © Marcus Brandt/​dpa

Spionage, Bundeswehr, Truppenübungsplatz Wildflecken (Bayern), Herbst 2022
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Unbekannte Piloten steuern [mehrere Drohnen über den Truppenübungsplatz Wildflecken der Bundeswehr](https://www.zeit.de/news/2022-10/02/drohnenfluege-ueber-bundeswehr-truppenuebungsplatz-wildflecken). Dort werden ukrainische Soldaten am geschützten Fahrzeug Dingo ausgebildet. Die Kriminalpolizei und die Generalstaatsanwaltschaft in München ermitteln.

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Ein deutscher Soldat sitzt in einem Gefechtssimulationszentrum des Heeres in Wildflecken in einem Simulator. Dort werden auch Ukrainer ausgebildet. © Daniel Vogl/​dpa

Sabotageverdacht, Bahnnetz, Norddeutschland, 8. Oktober 2022
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Sabotage am Kabelnetz der Deutschen Bahn legt im Oktober 2022 den Zugverkehr in ganz Norddeutschland lahm. Zuerst in Herne und dann in Berlin zerschneiden Unbekannte zwei wichtige Kommunikationskabel. Aus Sicherheitsgründen stoppt die Bahn daraufhin viele Fernverbindungen. "Es wurden Kabel mutwillig und vorsätzlich durchtrennt", [sagt Bundesverkehrsminister Volker Wissing](https://www.zeit.de/mobilitaet/2022-10/bahn-fernverkehr-stoerung-norddeutschland). Das Landeskriminalamt in Berlin und das Bundeskriminalamt ermitteln. Sabotage durch einen Staat sei wahrscheinlich, sagen Sicherheitsbehörden, denn der Ausfall war nur möglich, weil beide Leitungen des Zugfunksystems durchtrennt worden waren, eine hätte dazu nicht gereicht.

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Die Bahn ist im Visier von Saboteuren: Im Oktober wurden Kabel bei Berlin-Hohenschönhausen zerstört. © Sean Gallup/​Getty Images

Spionage, BND, Berlin 2022/23
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Der BND-Mitarbeiter Carsten L. und der russischstämmige Geschäftsmann Arthur E. sollen [geheime Informationen an russische Dienste weitergegeben haben](https://www.zeit.de/news/2024-10/30/prozess-gegen-bnd-mitarbeiter-dauert-deutlich-laenger). Unter anderem hätten sie die Stellungen westlicher Waffensysteme in der [Ukraine](https://www.zeit.de/thema/krieg-in-ukraine) verraten und auch Details darüber, wie der Westen die Kommunikation der Söldnermiliz Wagner überwacht. Carsten L. diente als Oberst der Bundeswehr beim deutschen Auslandsgeheimdienst, war Abhörspezialist und zuletzt für die Sicherheitsüberprüfung anderer BND-Leute zuständig. Politisch stand er rechts und soll sich zunehmend radikalisiert haben. Arthur E. war Fernmeldeaufklärer der Bundeswehr, verließ die Truppe jedoch und versuchte, in Russland Geschäfte zu machen. Sie sind vor dem Kammergericht Berlin wegen schweren Landesverrats in zwei Fällen angeklagt.

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Spionage bei den Spionen: Auch der Bundesnachrichtendienst (Hauptquartier in Berlin) steht im Visier russischer Dienste. Offenbar gelang es ihnen, einen Mitarbeiter zu rekrutieren. © John Macdougall/​AFP/​Getty Images

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Anklage wegen Landesverrats: Vor dem Kammergericht Berlin müssen sich zwei Männer, darunter ein BND-Mitarbeiter, wegen einer mutmaßlichen Spionage für russische Dienste verantworten. © Bernd von Jutrczenka/​dpa

Spionage, SPD, Berlin, Januar 2023
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Hacker greifen das [Mailsystem der SPD-Parteizentrale in Berlin](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-05/spd-cyberangriff-hacker-kevin-kuehnert-apt27) an. Sie können sich Zugriff auf mehrere Konten des Parteivorstands verschaffen. Möglich wurde es, weil sie eine bis dahin unbekannte Sicherheitslücke von Microsoft verwendeten. Solche Zero-Day genannten Lücken werden vor allem durch Geheimdienste ausgenutzt. "Es ist nicht auszuschließen, dass es zu einem Abfluss von Daten aus vereinzelten E-Mail-Postfächern kam", teilt die SPD später mit. Die Bundesregierung macht für den Angriff eine Hackergruppe verantwortlich, die Sicherheitsanalysten APT28 nennen und die vom russischen Geheimdienst GRU gesteuert wird.

Spionage, Beschaffungsamt der Bundeswehr, Koblenz (Rheinland-Pfalz), 2023
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Ein Offizier der Bundeswehr, der für das Bundeswehrbeschaffungsamt BAAINBw tätig ist, [gibt Unterlagen an russische Geheimdienste weiter](https://www.zeit.de/news/2023-08/09/spionageverdacht-im-bundeswehr-beschaffungsamt-festnahme). Der Hauptmann beschäftigte sich mit elektronischer Kampfführung und hatte Zugang zu geheimen Informationen. Er sympathisierte mit der AfD und hatte sich selbst der russischen Botschaft als Spion angeboten. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt ihn im August 2023 wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit und der Verletzung des Dienstgeheimnisses zu drei Jahren und sechs Monaten Haft.

Spionage, Bundeswehr, Drohnenüberflüge Truppenübungsplätze Altengrabow und Klietz (Sachsen-Anhalt), Juni 2023
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Über den Truppenübungsplätzen Altengrabow und Klietz [beobachtet die Bundeswehr](https://www.bundeswehr-journal.de/2023/verdaechtige-drohnenfluege-ueber-militaergelaende-haeufen-sich/) "eine mittlere einstellige Zahl" von Drohnenflügen. Ein großer Teil der Flüge sei nachts erfolgt. Auch das beobachtete Flugverhalten der Drohnen spreche eher gegen Hobbyfluggeräte, weswegen die Bundeswehr von Spionageversuchen ausgeht.

Sabotageverdacht, Nato, Bellheim (Rheinland-Pfalz), November 2023
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In einem Wald bei Bellheim, wenige Hundert Meter vom Central Europe Pipeline System (CEPS) der Nato entfernt, finden Bauarbeiter bei einem Strommast ein Waffenversteck. Zwei Handgaranten jugoslawischer Herkunft und 450 Gramm Sprengstoff samt Zünder sind dort gut verpackt vergraben. Analysen kommen zu dem Schluss, dass der Sprengstoff erst eineinhalb Jahre alt ist und somit noch nicht lange dort verborgen sein kann. Über das Pipelinesystem werden Flughäfen der Nato mit Treibstoff versorgt.  

Sabotageverdacht, Pipeline, Brunsbüttel (Schleswig-Holstein), November 2023
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In der neu gebauten Pipeline für Flüssiggas (LNG), die vom Terminal Brunsbüttel nach Hetlingen führt, werden bei einer Druckprobe [mehrere Löcher entdeckt](https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-01/lng-pipeline-brunsbuettel-hetlingen-sabotageverdacht-millionenschaden). An drei Stellen wurde ein jeweils ungefähr ein Zentimeter großes Loch hineingebohrt. Die Täter sind unbekannt. Die Bundesanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage.

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Teile für eine Pipeline: Ein Mitarbeiter geht an Rohren vorbei, die von Brunsbüttel aus Flüssiggas nach Hetlingen bei Hamburg transportiert. © Morris MacMatzen/​Getty Images

Spionage, Singapur, Februar 2024
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Ein Gespräch des Inspekteurs der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, mit anderen Offizieren [wird abgehört und der Inhalt anschließend von russischen Propagandamedien veröffentlicht](https://www.zeit.de/news/2024-06/06/abhoerfall-abgeschlossen-luftwaffen-inspekteur-zahlt-bussgeld). Ein Teilnehmer hatte sich von Singapur aus in das Videosystem Webex eingewählt. Die Runde tauschte sich über mögliche Lieferungen des Taurus-Marschflugkörpers an die Ukraine aus. Die Veröffentlichung in Deutschland sorgt auch deswegen für Aufsehen, weil für die geheimen Gesprächsinhalte ein so unsicheres System wie Webex gewählt wurde.

Öffentliche Warnung, Parlamentarisches Kontrollgremium, Berlin, März 2024
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Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages, das die Nachrichtendienste kontrolliert, [warnt öffentlich vor russischer Sabotage](https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-993564): Das Gremium sehe sich in seiner Erkenntnis bestärkt, "dass Russland seit Jahren in Deutschland nicht nur massiv Spionage betreibt. Vielmehr steht Deutschland im Mittelpunkt russischer Einflussoperationen." Russland versuche auch aktiv, auf verschiedenen Ebenen illegitim auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einzuwirken. In vielen Fällen verfange dies auch. 

Geplante Sabotage, Bayreuth (Bayern), April 2024
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Zwei Männer mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit werden [in Bayreuth von einer Spezialeinheit der Polizei überwältigt und festgenommen](https://www.zeit.de/news/2024-04/18/mutmassliche-agenten-mit-verbindung-zu-russland-festgenommen). Die Generalbundesanwaltschaft wirft ihnen vor, für einen ausländischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein. Der Hauptbeschuldigte soll bereit gewesen sein, Sprengstoff- und Brandanschläge vor allem auf militärisch genutzte Infrastruktur und Industriestandorte in Deutschland zu begehen. Auftraggeber: ein russischer Geheimdienst. Der Mann war zwischen Dezember 2014 und September 2016 offenbar in der Ostukraine und kämpfte dort für die von Russland gesteuerten Separatistengruppen.

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Möglicher Brandanschlag, Diehl, Berlin, Mai 2024
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Im Frühjahr brennt es beim Rüstungskonzern Diehl in Berlin-Lichterfelde, laut Gutachten war ein technischer Effekt die Ursache. Doch Ermittler und Sicherheitsdienste schließen nicht aus, dass der Brand auf Sabotage zurückgeht. [Das _Wall Street Journal_ berichtet](https://www.wsj.com/world/europe/russian-saboteurs-behind-arson-attackat-german-factory-c13b4ece), der Sicherheitsdienst eines Nato-Landes habe russische Kommunikation abgefangen, in der es um den Anschlag ging. Die Staatsanwaltschaft Berlin aber stellt im Dezember die Ermittlung ein, da es "keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung" gebe.

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Brandspuren: nach dem Feuer am Diehl-Standort in Berlin © Sean Gallup/​Getty Images

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Spionage, Frankfurt am Main (Hessen), Juni 2024
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Die Bundesanwaltschaft lässt in Frankfurt am Main drei Männer festnehmen. Sie wirft ihnen vor, [für einen russischen Geheimdienst spioniert zu haben](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-06/geheimdienst-frankfurt-festnahme-arbeit-auslaendischen-geheimdienst). Die drei sollen im Auftrag des Dienstes einen in Deutschland lebenden Ukrainer ausgespäht haben.  

Geplantes Attentat, Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen), Armin Papperger, CEO von Rheinmetall, Juli 2024
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US-Geheimdienste informieren deutsche Sicherheitsbehörden über ein geplantes Attentat auf Armin Papperger, den Chef des größten deutschen Rüstungsunternehmens Rheinmetall. [Das berichtet CNN im Juli 2024](https://edition.cnn.com/2024/07/11/politics/us-germany-foiled-russian-assassination-plot/index.html). Der Manager soll im Visier russischer Dienste stehen, die einen Anschlag auf ihn vorbereiten. Der Rheinmetall-CEO hatte sich öffentlich für eine starke Unterstützung der Ukraine ausgesprochen und dort Rüstungswerke errichtet. "Russland führt einen hybriden Angriffskrieg", sagt Außenministerin Annalena Baerbock daraufhin auf dem Nato-Gipfel in Washington, D. C.

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Waffenlieferant der Ukraine: Armin Papperger (links), CEO von Rheinmetall, versorgt mit dem von ihm geführten Konzern die Regierung in Kyjiw mit Rüstungsgütern. Im Februar 2024 führt er die dänische Premierministerin Mette Frederiksen, den Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius (rechts) durch ein Werk in Niedersachsen. © David Hecker/​Getty Images

Brandanschlag, Leipzig, DHL, Juli 2024
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Am Flughafen Leipzig/Halle entzündet sich im Juli ein Luftfrachtpaket, der Frachtcontainer brennt aus. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, sagt im Oktober vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestages, es sei Glück gewesen, dass es nicht an Bord eines Flugzeuges zum Brand gekommen sei. Dank einer unerwarteten zweistündigen Verspätung, die verhinderte, dass die Pakete ins Flugzeug gelangten, entging das Flugzeug einer Katastrophe. Das Paket kam aus den baltischen Staaten, in Litauen und Polen werden Verdächtige festgenommen. Ein weiteres Paket, bei dem der Brandsatz nicht gezündet ist, wird entdeckt und analysiert. Bundesanwaltschaft, polnische und litauische Behörden ermitteln. [Sicherheitskreise gehen von einem russischen Anschlag aus](https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-10/dhl-paket-russland-brand-sabotage).

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Brennende Fracht: In Leipzig wurde beim Logistikdienstleister DHL ein Paket mit Brandsatz gezündet. © Marco Prosch/​Getty Images

Sabotageverdacht, Nato-Airbase, Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen), August 2024
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Nach einem Hinweis eines ausländischen Nachrichtendienstes gibt es Alarm auf der [Nato-Airbase in Geilenkirchen](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-08/hinweise-russische-sabotage-stuetzpunkt-geilenkirchen). Das Bündnis ruft die zweithöchste Warnstufe für den Standort aus, er wird abgeriegelt und Mitarbeiter nach Hause geschickt. Russische Geheimdienste hätten einen Anschlag mit einer Drohne geplant, heißt es bei Sicherheitsbehörden. Von Geilenkirchen heben Awacs-Überwachungsflugzeuge ab, die den Luftraum der Allianz kontrollieren und verdächtige Bewegungen russischer Militärmaschinen melden.  

Sabotageverdacht, Bundeswehr, Luftwaffenstützpunkt Köln-Wahn (Nordrhein-Westfalen), August 2024
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Sensoren der Trinkwasseraufbereitungsanlage des Luftwaffenstützpunkts [melden ungewöhnliche Werte](https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-08/bundeswehr-koeln-wahn-abgeriegelt-wasser-sabotage-verdacht). Techniker entdecken einen schwarz gekleideten Menschen in der Anlage, der vor ihnen flieht. Im Kasernenzaun finden sie anschließend ein Loch. Die Bundeswehr riegelt den Standort ab, da dort unter anderem die Flugbereitschaft der Regierung stationiert ist und Hilfen in die Ukraine geflogen werden. Das Ziel und eventuelle Auftraggeber der Aktion sind unklar.  

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Loch im Zaun: In Köln-Wahn haben Unbekannte verbotenerweise den Luftwaffenstützpunkt betreten. © Roberto Pfeil/​dpa

Spionageverdacht, Drohnenflüge über kritische Infrastruktur, Brunsbüttel (Schleswig-Holstein), August 2024
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Über dem Industriegebiet Brunsbüttel in Schleswig-Holstein werden [verdächtige Drohnen entdeckt](https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-08/brunsbuettel-industriepark-spionage-drohnen-ermittlungen), die nachts über das Areal fliegen. Dort befinden sich ein stillgelegtes Atomkraftwerk und ein Flüssiggasterminal. Die Polizei ermittelt, die Staatsanwaltschaft Flensburg geht dem Verdacht nach, es handele sich um eine Agententätigkeit zu Sabotagezwecken.

Spionageverdacht, Bundeswehr, Truppenübungsplatz Altmark (Sachsen-Anhalt), Oktober 2024
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Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide beobachten Soldaten einen verdächtigen Radfahrer. Er wird von einer Streife aufgehalten und von Polizisten festgenommen. Der Russe hat das für die Öffentlichkeit gesperrte Übungsgelände durchfahren, ohne sinnvolle Angaben machen zu können, warum er dort unterwegs war. Bei der Bundeswehr heißt es, dass sehr sicher davon ausgegangen werden kann, dass der Mann im Auftrag russischer Nachrichtendienste gehandelt hat. Da das Betreten des Truppenübungsplatzes lediglich eine Ordnungswidrigkeit darstellt, wird der Mann später wieder freigelassen.

Öffentliche Warnung, Berlin, Oktober 2024
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Der Präsident des BND, Bruno Kahl, und des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, sowie die Präsidentin des Bundesamtes für den Militärischen Abschirmdienst (MAD), Martina Rosenberg, warnen [bei einer Anhörung im Bundestag](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw42-pa-pkgr-1020558) vor einer stetig wachsenden Bedrohung durch Russland. Die Machthaber im Kreml sehen Deutschland wegen seiner Unterstützung für die Ukraine als Gegner, sagt Kahl. Die strategische Ausrichtung Russlands sei gen Westen gerichtet und ziele auf eine neue Weltordnung ab. Rosenberg berichtet von besorgniserregenden Ausspähversuchen gegen die Bundeswehr.  

Cybersabotage, Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein), Dezember 2024
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Ermittler nehmen im Kreis Stormarn einen 24-Jährigen fest. Er soll das russische Hackerkollektiv Killnet unterstützt haben und an Überlastungsangriffen auf Server in Nato-Mitgliedsstaaten beteiligt gewesen sein. Außerdem habe er Werkzeuge für solche Angriffe beworben und verbreitet. Dem Mann wird [neben der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung im Ausland auch Computersabotage vorgeworfen](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-12/russland-hackergruppe-deutscher-unterstuetzer-festnahme). Bereits zuvor gab es laut [Bundeskriminalamt](https://www.zeit.de/thema/bundeskriminalamt) in diesem Zusammenhang drei Festnahmen in Deutschland und Frankreich.

![](https://interactive.zeit.de/g/2023/illustrator-deployment-tool/embeds/deutschland-desinformation/processed/deutschland-desinformation-breit-20241220151555.svg)

Desinformationskampagne, seit 2022
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Seit 2022 gibt es eine von Russland in Auftrag gegebene, verdeckte [Desinformationskampagne](https://www.zeit.de/thema/fake-news), die sich sogenannter [Doppelgängerseiten](https://www.zeit.de/news/2023-08/29/warum-sich-pro-russische-fake-webseiten-hartnaeckig-halten) bedient. Dabei wird das Layout renommierter Medienportale kopiert, um darauf Propaganda oder Falschformationen zu veröffentlichen. Oft werden die Links dazu auf sozialen Medien, vorrangig X, geteilt und/oder durch bezahlte Anzeigen beworben. Die Qualität dieser Doppelgängerseiten ist im Laufe der Monate immer besser geworden. Ein Großteil dieser Seiten können zu einem russischen Unternehmen zurückverfolgt werden.

Vandalismus, Paris, November 2023
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An diversen Pariser Gebäuden tauchen über 260 Davidstern-Graffitis auf. Später werden Fotos davon über ein russisches Propagandanetzwerk in sozialen Medien verbreitet. Russland weist Frankreichs Vorwürfe zur Beteiligung an den Schmierereien als haltlos zurück. Später nehmen französische Ermittler ein [moldauisches Ehepaar als Verdächtige fest](https://www.zeit.de/politik/ausland/2023-11/davidsterne-frankreich-paris-vandalismus-russland/komplettansicht). Als ihren Auftraggeber identifizieren sie einen prorussischen Geschäftsmann aus Moldawien.

Vandalismus, Paris, März 2024
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Unbekannte sprühen den Hinweis "Achtung, Balkon kann einstürzen" auf etliche Gebäude in Paris. Der Hinweis bezieht sich auf die öffentlich diskutierte Sorge, dass Balkone Pariser Häuser möglicherweise einstürzen können, wenn sich darauf zu viele Menschen drängen, um die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele auf der Seine anzuschauen. [Pariser Ermittler vermuten russische Saboteure hinter der Aktion](https://www.zeit.de/news/2024-05/22/paris-vermutet-moskau-hinter-farbattacke).  

Vandalismus, Paris, Mai 2024
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Unbekannte führen eine Farbattacke auf die Holocaustgedenkstätte in Paris aus. Auf einer Wand der Gedenkstätte [Mémorial de la Shoah sprühen sie rund ein Dutzend rote Hände](https://www.zeit.de/news/2024-05/22/paris-vermutet-moskau-hinter-farbattacke) als propalästinensische Graffiti. Bei der Attacke handelt es sich laut Polizeiquellen um einen aus Russland gesteuerten Destabilisierungsversuch.  

Versuchte Sabotage, Paris, Juni 2024
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In einem Hotel in Roissy-en-France, in der Nähe des Flughafens Charles de Gaulle, wird ein schwer verletzter junger Mann festgenommen. Er hatte versucht, mit dem Sprengstoff TATP eine Bombe zu bauen. Bei der Montage explodiert sie. Die Polizei findet in seinem Hotelzimmer außerdem Waffen und falsche Pässe. Der Mann stammt aus dem russisch besetzten Teil der Ukraine und hatte für prorussische Separatisten gekämpft. Ermittler sind überzeugt, dass er im Auftrag eines russischen Geheimdienstes gehandelt hat.

Sabotage, Frankreich, 26. Juli 2024
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Am Tag der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris, am 26. Juli 2024, legt ein [Sabotageangriff auf die französische Bahn das TGV-Streckennetz lahm](https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-07/frankreich-angriff-schnellzug-streckennetz-faq). An mehreren Stellen wird das Schnellzugnetz sabotiert. Die Täter zünden unter anderem Signalanlagen und Weichen an und durchtrennen Kabel, die für die Steuerung des Verkehrs wichtig sind. Die Strecken nach Norden, Osten und Süden sind betroffen, viele Züge fallen aus. Millionen Reisende können ihre Fahrt nicht antreten. Ein Anschlag kann vereitelt werden, die Polizei stellt mehrere Brandsätze sicher. Geheimdienstexperten vermuten, dass Russland dafür verantwortlich ist.

![](https://img.zeit.de/politik/deutschland/2024-12/russische-sabotage-europa-spionage-pipelines-hackerangriffe-bild11/wide)

Langes Warten: Passagiere harren in Bordeaux an einem Bahnhof aus, nachdem der Bahnverkehr durch Sabotage lahmgelegt wurde. © Christophe Archambault/​AFP/​Getty Images

Sabotage, März 2024
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Die tschechische Regierung hebt das [russische Propagandanetzwerk _Voice of Europe_](https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-03/voice-of-europe-russland-propaganda-desinformation-tschechien) aus. Die Internetseite ist Teil einer russischen Einflussoperation. Ihr Ziel: die Souveränität und Freiheit der Ukraine infrage zu stellen. Beteiligte versuchen daneben wohl auch, Politiker zu bestechen, [darunter den deutschen AfD-Mann Petr Bystron](https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-petr-bystron-aktiv-an-aktionen-von-voice-of-europe-beteiligt-a-11cec125-ffb8-42d8-a79d-646c8442b4dd). Er soll mehrere Zehntausend Euro erhalten haben, was er bestreitet. Auch in Polen gibt es im Zusammenhang mit _Voice of Europe_ Durchsuchungen. In Warschau und der schlesischen Stadt Tychy werden dabei 48.500 Euro und 36.000 Dollar sichergestellt. Hinter _Voice of Europe_ steht unter anderem der Oligarch Wiktor Medwedtschuk, der in der Ukraine wegen Hochverrats angeklagt wurde, aber im Zuge eines Gefangenenaustauschs im September 2022 nach Russland gelangte.  

Cybersabotage, Osteuropa, Mai 2024
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Der tschechische [Verkehrsminister Martin Kupka sagt](https://www.ft.com/content/f8207823-f5e1-4caf-934d-67c648f807bf), Russland habe Tausende Versuche unternommen, um in europäische Schienennetze einzudringen und kritische Infrastrukturen zu sabotieren. So sei in Tschechien versucht worden, Signal- und Fahrkartensysteme zu hacken. Die EU-Agentur für Cybersicherheit veröffentlicht im März 2023 eine Warnung vor russischen Bedrohungen für den Verkehr und berichtet über große Cyberangriffe "prorussischer Hackergruppen" auf Eisenbahnunternehmen in Lettland, Litauen, Rumänien und Estland. Auch die tschechische Cybersicherheitsbehörde Nukib warnt vor zunehmenden Cyberangriffen, insbesondere in den Bereichen Energie und Verkehr.

Brandanschlag, Prag, Juni 2024
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Ein junger Mann aus Kolumbien bricht nachts in ein Busdepot der Prager Verkehrsbetriebe ein, schüttet Benzin über mehrere Busse und steckt sie in Brand. Der Wachschutz kann das Feuer löschen, die Polizei den Täter kurz darauf festnehmen. Nach Auswertung seines Handys sind Ermittler überzeugt, dass er von einem russischen Agenten angeworben und gezielt für diesen Anschlag nach Prag geschickt wurde. Als Bezahlung waren ihm 3.000 Dollar versprochen worden.  

Sabotage, Tschechien und Slowakei, September 2024
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Anfang September gehen an [Hunderten Schulen in der Tschechischen Republik und in der Slowakei](https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-05/slowakei-bombendrohung-schulen-banken-polizeieinsatz-massenevakuierung) Bombendrohungen ein, viele Schulen werden daraufhin geschlossen. Keine der Drohungen bewahrheitet sich und die Polizei findet nirgendwo Hinweise auf Sprengstoffe. Der tschechische Geheimdienst gibt Russland die Schuld für die Sabotageakte. Mit dieser Taktik hatte Russland zuvor bereits seit Jahren Schulen und öffentliche Gebäude in der Ukraine terrorisiert.  

Geplante Sabotage, Polen, März 2023
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Polnische Behörden nehmen neun Männer unter dem Verdacht fest, eine russische Sabotagegruppe gebildet zu haben. Sie hätten Bahnstrecken ausgekundschaftet und geplant, Waffenlieferungen an die Ukraine zu sabotieren. Bei der Gruppe werden Kameras und GPS-Transmitter gefunden. Diese hätten sie an Zügen anbringen sollen, lautet der Vorwurf. Am Flughafen Rzeszów-Jasionka in Zentralpolen werden außerdem mehrere Kameras entdeckt. Der Flughafen ist einer der wichtigsten Logistikstützpunkte, von dem aus militärische Hilfe in die Ukraine geflogen wird.

Geplante Brandanschläge, Wrocław, Januar 2024
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Polnische Behörden nehmen Ende Januar einen 51-jährigen Ukrainer fest. Sie werfen ihm vor, er habe eine Farbfabrik in Wrocław in Brand setzen wollen. Bei der Hausdurchsuchung werden entsprechende Pläne gefunden. Den Auftrag dazu hatte der prorussische Ukrainer von einem mutmaßlichen russischen Agenten erhalten, der sich selbst "Lucky Strike" nennt. Als Bezahlung waren ihm von Lucky Strike insgesamt 4.000 Dollar versprochen worden, 2.000 Dollar hatte er bereits als Anzahlung erhalten. Eine Woche nach der Festnahme des Mannes sucht Lucky Strike bei Telegram einen neuen Freiwilligen für die gleiche Tat. Dieses Mal bietet er 5.000 Dollar als Bezahlung an.

![](https://interactive.zeit.de/g/2023/illustrator-deployment-tool/embeds/warschau-brand/processed/warschau-brand-breit-20241223060151.svg)

Brandanschlag, Einkaufzentrum Warschau, Mitte Mai 2024
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Mitte Mai 2024 [brennt eines der größten Einkaufszentren des Landes](https://www.zeit.de/news/2024-05/12/grossbrand-in-warschau-zerstoert-einkaufszentrum). Kurz darauf nehmen polnische Sicherheitsbehörden mehrere Personen fest, denen Brandstiftung und Sabotage vorgeworfen wird. Sie sollen für russische Geheimdienste gearbeitet haben. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die russischen Dienste auch etwas mit dem großen Feuer in Warschau zu tun hatten", sagt der polnische Ministerpräsident Donald Tusk.

![](https://img.zeit.de/politik/deutschland/2024-12/russische-sabotage-europa-spionage-pipelines-hackerangriffe-bild12/wide)

Feuer im Einkaufszentrum: In Warschau brennt ein großer Gebäudekomplex nieder. © Leszek Szymanski/​dpa

Cyberangriff, Ende Mai 2024
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Die staatliche polnische Nachrichtenagentur PAP verbreitet die Meldung, Regierungschef Donald Tusk habe für den 1. Juli eine Teilmobilmachung angeordnet. In der Meldung heißt es, 200.000 Polen sollen eingezogen und in die Ukraine abkommandiert werden. Die Agentur PAP erklärt, die Meldung stamme nicht von ihr und zieht sie zurück. Polens Regierung dementiert umgehend und erklärt, [alles deute auf eine russische Cyberattacke hin](https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-05/polen-nachrichtenagentur-pap-cyberangriff-russland).

![](https://interactive.zeit.de/g/2023/illustrator-deployment-tool/embeds/warschau-brand/processed/warschau-brand-breit-20241223060151.svg)

Brandanschläge, Warschau, Juli 2024
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In Polen werden vier Saboteure festgenommen und zwei weitere Täter auf eine Fahndungsliste gesetzt. Sie hatten Brandsätze in Paketen versteckt, die sich während des Transports spontan entzündeten oder explodierten. Die Pakete schickten sie über Kurierdienste in die Europäische Union und das Vereinigte Königreich. In der Nähe von Warschau brennt deswegen ein Lastwagen einer Kurierfirma aus. [Auch der Brand eines DHL-Frachtcontainers am Flughafen Leipzig/Halle geht auf ihr Konto](https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-10/dhl-paket-russland-brand-sabotage). Laut Polens Regierung hat einer der Saboteure gestanden, von russischen Geheimdiensten mit den Anschlägen beauftragt worden zu sein.

Sabotage, Bukarest, Juli 2024
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Ein 34-jähriger kolumbianischer Staatsbürger wird am 13. November vor einem Gericht in Bukarest angeklagt. Er soll im Juli 2024 Sabotageakte geplant haben. Dazu sei er von einem in der Russischen Föderation ansässigen ausländischen Staatsbürger angestiftet worden. Ziel seien Industrieanlagen und kritische Infrastruktur gewesen. Es gelang dem Angeklagten, die Objekte, die er zerstören wollte, zu filmen, aber die Sabotage kam aufgrund des Eingreifens der Polizei nicht zustande.

Sabotage, Dezember 2024
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Das rumänische Verfassungsgericht annulliert die Präsidentenwahl, die überraschend der rechtsextreme und russlandfreundliche Kandidat Călin Georgescu gewonnen hatte. Die Wahl sei durch Russland manipuliert worden, [es habe einen "aggressiven hybriden Angriff" gegeben](https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-12/praesidentschaftswahl-rumaenien-gericht-wiederholung), urteilte das oberste Gericht und ordnete eine Neuwahl an. Die Polizei ermittelt wegen "Wählerbestechung, Geldwäsche und Datenmanipulation".

Mutmaßlicher Brandanschlag, Karnobat, Juni 2023
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Der bulgarische Wirtschaftsminister Bogdan Bogdanović [deutet an, dass Russland für eine Explosion in einer Waffenfabrik in der Stadt Karnobat verantwortlich sein könnte](https://www.politico.eu/article/bulgaria-economy-minister-bogdan-bogdanov-nikolay-denkov-hints-at-russian-attack-on-ammunition-factory/). Die Explosion ereignet sich inmitten einer Untersuchung der bulgarischen Behörden zu einer Reihe ähnlicher Vorfälle in den letzten Jahren in Waffendepots, in denen Munition für den Export in die Ukraine gelagert wird. Dabei werden mögliche Verbindungen zwischen den Explosionen und Russland untersucht. Der Großbrand in dem Lagerhaus in Karnobat ist der zweite in weniger als einem Jahr. Die vom Feuer betroffene Fabrik gehört dem bulgarischen Waffenhändler Emilian Gebrev, der 2015 in Sofia eine mutmaßliche Vergiftung mit dem russischen Nervenkampfstoff Nowitschok überlebte.

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Vandalismus, Tallinn, April 2022
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Zwei junge Männer reisen mit dem Bus von Riga nach Tallinn. Ihr Auftrag: [Sie sollen dort eine Mauer mit einem Text besprühen](https://vsquare.org/russia-sabotage-operations-baltics/). Einer der beiden hatte ein Foto zugeschickt bekommen, auf dem der Text stand, der andere hatte die genauen Standortdaten der Mauer erhalten. Was sie dort tun und warum, ist beiden nicht so ganz klar. Sie wurden via Telegram angeheuert und werden dafür bezahlt. Auftragsgemäß sprühen sie den Satz "Killnet hacked you" in großen Lettern auf die Wand – Killnet hat euch gehackt. Was beide nicht wissen: Die Mauer umschließt das Cyberverteidigungszentrum der Nato (CCD COE) und zeitgleich mit dem Graffiti wird es wirklich angegriffen. Die wahrscheinlich vom russischen Geheimdienst gesteuerte Hackergruppe, die sich selbst Killnet nennt, flutet die Server mit sinnlosen Anfragen, um sie außer Gefecht zu setzen.

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Vandalismus, seit Oktober 2023
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Zehn Personen werden im Februar 2024 festgenommen und mehrere von ihnen im Dezember 2024 verurteilt, weil sie auf Geheiß des russischen Militärgeheimdienstes Akte von Vandalismus verübt haben sollen. Ihr Auftraggeber soll [Allan Hantsom sein, eine feste Größe in Estlands engmaschiger prorussischer politischer Bewegung](https://www.nytimes.com/2024/12/05/world/europe/estonia-vandalism-russia-sabotage.html). Im Jahr zuvor hatten von Hantsom angeworbene Personen bereits die Scheiben der Autos des estnischen Innenministers und des Herausgebers einer estnischen Nachrichtenagentur eingeschlagen, so die Staatsanwaltschaft. Außerdem hatten sie mehrere Denkmäler aus dem Zweiten Weltkrieg mit Farbe besprüht.

Sabotage, April 2024
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Estland und Litauen werfen Russland vor, durch [die Störung von GPS-Signalen gegen internationale Bestimmungen zu verstoßen](https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-04/gps-satellitennavigation-estland-und-litauen-russland-gezielte-gps-stoermanoever). Nachdem die finnische Fluggesellschaft Finnair ihre Flüge in die estnische Stadt Tartu wegen einer GPS-Störung vorübergehend ausgesetzt hatte, kritisiert Außenminister Margus Tsahkna Russland. "GPS-Störungen im estnischen Luftraum durch die RF (Russische Föderation) haben die zivile Luftfahrt in unserer Region beeinträchtigt. Damit verstößt Russland gegen internationale Vorschriften", schreibt er auf der Plattform X.

Brandstiftung, Vilnius, Mai 2024
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Mitten in der Nacht bricht bei einem Ikea-Markt in Vilnius ein Feuer aus. Die Feuerwehr kann den Brand bald löschen, die Polizei vermutet Brandstiftung als Ursache. Die Hintergründe bleiben vorerst unklar. Jedoch werden in Polen später mehrere Männer festgenommen, die im Auftrag russischer Dienste Brandanschläge geplant und verübt haben. Laut der polnischen Ermittler ist die Gruppe auch für den Anschlag auf den Ikea-Markt verantwortlich.

Spionage, Lielvārde, April 2022
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Ein junger Mann fotografiert den militärischen Flugplatz Lielvārde. Durch einen Zufall wird er festgenommen. Unterlagen und Kommunikation belegen, dass er von einem russischen Agenten angeworben und bezahlt worden ist, um diese Fotos zu beschaffen. Die Ermittlungsbehörden können auch seinen Führungsoffizier identifizieren, der im Auftrag russischer Geheimdienste eine ganze Reihe solcher Aktionen geplant und finanziert hat.  

Spionage, Brüssel, Januar 2024
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Eine lettische Abgeordnete des EU-Parlaments steht unter Spionageverdacht. Medien berichten, dass Tatjana Ždanoka seit Jahren Kontakte zum FSB hat und eine russlandfreundliche Politik machen soll. Das Europäische Parlament leitet eine Untersuchung ein. Von der Fraktion Grüne/EFA, der sie bis dahin angehörte, wird sie im Februar ausgeschlossen. Bei der Europawahl im Juni erhält ihre Partei nicht mehr genug Stimmen, Ždanoka kann kein Mandat für das EU-Parlament erringen.

Brandanschlag, Riga, Februar 2024
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Im lettischen Okkupationsmuseum in Riga wird nachts eine Scheibe eingeschlagen, [ein Molotowcocktail hineingeworfen](https://okupacijasmuzejs.lv/en/news/about-the-attack). Das Büro der Museumsdirektorin brennt aus. Das Museum, das die sowjetische und die deutsche Besetzung des Landes dokumentiert, war schon mehrfach Ziel von Vandalismus. Die Polizei kann einen Verdächtigen festnehmen.

Spionage, Großbritannien, bis 2023
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Zwischen 2020 und 2023 soll ein Spionagering in Großbritannien und anderen europäischen Ländern, darunter Deutschland, für Russland tätig gewesen sein. [Drei Männer aus Bulgarien werden deswegen im November 2024 in London angeklagt](https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-11/jan-marsalek-angeklagte-gestaendnis-russische-spionage). Sie seien "mit ausgefeilter Methodik" vorgegangen, hätten falsche Identitäten verwendet sowie professionelle Ausrüstung und moderne Technologie eingesetzt, wirft ihnen die Anklage vor. Die Angeklagten sollten für ihre russischen Auftraggeber Bildmaterial beschaffen und detaillierte Berichte über Zielpersonen erstellen. Dafür hätten sie "beträchtliche Summen" erhalten. Ihre Aufträge haben sie auch von Jan Marsalek bekommen, der in den deutschen Wirecard-Skandal verstrickt ist und für russische Dienste tätig sein soll.

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Brandanschläge, Nordosten Londons, Mai 2024
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Anfang Mai 2024 werden vier Männer angeklagt, die im Auftrag einer russischen Söldnergruppe Brandanschläge geplant und auch ausgeführt haben sollen. Dazu gehört eine Brandstiftung in einem Gewerbegebiet im Nordosten Londons, in dem Firmen ansässig sind, die Ukrainern gehören. Als Reaktion auf den Fall verweist die britische Regierung den russischen Militärattaché des Landes.

Geplantes Attentat, Dezember 2024
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Eine im Vereinigten Königreich operierende russische Spionagezelle plant die Entführung und Ermordung von Roman Dobrochotow, dem Gründer und derzeitigen Chefredakteur des unabhängigen russischen Medienmagazins _The Insider_. [Die Enthüllung erfolgt während des Prozesses gegen fünf bulgarische Staatsangehörige](https://www.bbc.com/news/articles/c4gpd8ex4l3o) [in London](https://www.bbc.com/news/articles/c4gpd8ex4l3o)[, denen vorgeworfen wird, über einen Zeitraum von fast drei Jahren Personen und Orte ausspioniert zu haben, die für Russland von Interesse sind](https://www.bbc.com/news/articles/c4gpd8ex4l3o). Einer der Angeklagten, Orlin Roussev, soll "Tausende von Nachrichten" mit dem mutmaßlichen russischen Agenten Jan Marsalek ausgetauscht haben, einem österreichischen Geschäftsmann, der nach Russland geflohen ist, nachdem er des Betrugs im Wirecard-Skandal beschuldigt worden war.

Brandanschlag, Logistikzentrum Minworth bei Birmingham, 22. Juli 2024
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In einem DHL-Gebäude in England geht ein Paket in Flammen auf, das kurz zuvor per Flugzeug angekommen ist. Es enthielt offenbar einen Brandsatz auf Basis des sehr heiß brennenden und schwer zu löschenden Stoffes Magnesium. Britische Sicherheitsbehörden haben die Ermittlungen aufgenommen. Ähnliche Pakete tauchen in Deutschland und in Polen auf. Westliche Sicherheitsbehörden vermuten, es sei eine Kampagne des russischen Geheimdienstes GRU.

Spionageverdacht, Stützpunkt US-Armee bei Mildenhall, November 2024
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Mehrfach werden verdächtige Drohnen gesichtet, die über Stützpunkte der US-Armee hinwegfliegen. In London teilt das britische Verteidigungsministerium mit, dass die Bedrohungen ernst genommen werden. 60 Angehörige der Royal Air Force unterstützen laut BBC die Ermittlungen, um die Verantwortlichen der Überflüge, die es auch über anderen Militäreinrichtungen gab, zu identifizieren.

Sabotageverdacht, Gaspipeline Balticconnector, Oktober 2023
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Ein sechs Tonnen schwerer Schiffsanker durchtrennt im Oktober 2023 die Gaspipeline Balticconnector, die Finnland und Estland verbindet. Der Anker kann aus dem Meer geborgen werden. Er stammt vom chinesischen Frachtschiff _New Polar Bear_. Es soll zudem zwei Kabel, die Estland mit Finnland und Schweden verbinden, gekappt haben. Behörden ermitteln. [Ob es Absicht oder Zufall war, ist bislang ungeklärt](https://www.zeit.de/politik/ausland/2023-10/russland-gas-pipeline-balticconnector-ostsee).

Sabotageverdacht, C-Lion1, Kommunikationskabel, südlich von Öland, November 2024
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Innerhalb kurzer Zeit werden [zwei Datenkabel in der Ostsee beschädigt](https://www.zeit.de/news/2024-11/19/pistorius-zu-ostsee-kabel-muessen-von-sabotage-ausgehen). Eines davon ist das Glasfaserkabel C-Lion1, das 1.173 Kilometer lang ist und Helsinki mit Rostock verbindet. Ermittler aus Schweden, Litauen und Deutschland haben als Verursacher ein chinesisches Frachtschiff im Visier, das von einem russischen Kapitän gesteuert wird. Das Schiff ist über beide Kabelstränge hinweggefahren. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius spricht von Sabotage. [Auch die schwedische Polizei ermittelt wegen möglicher Sabotage](https://www.zeit.de/2024/52/internetkabel-ostsee-sabotage-verdacht-china).

Sabotageverdacht, Glasfaserkabel, zwischen Litauen und Schweden, November 2024
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Ein [Unterwasserkabel zwischen Litauen und der schwedischen Insel Gotland](https://www.zeit.de/politik/2024-11/finnland-deutschland-datenkabel-beschaedigt) wird im November 2024 so stark beschädigt, dass die Verbindung ausfällt. Das sei "nicht durch einen Gerätefehler, sondern durch einen Materialschaden am Glasfaserkabel verursacht" worden, teilt der schwedische Telekommunikationskonzern Telia mit. Ein chinesischer Frachter mit russischem Kapitän hatte zuvor das Kabel passiert. Die Ermittlungen laufen. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius spricht von Sabotage.

![](https://interactive.zeit.de/g/2023/illustrator-deployment-tool/embeds/finnland/processed/finnland-breit-20241223055249.svg)

Sabotageverdacht, Sommer 2024
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Unbekannte dringen in mehrere Wassertürme und Wasseraufbereitungsanlagen ein. Es wird nichts gestohlen und nichts manipuliert, die Hintergründe sind unklar. Insgesamt werden elf solcher Einbrüche registriert, vor allem an der finnischen Südküste. Finnische Behörden erhöhen die Sicherheitsmaßnahmen. Sie vermuten, die Anlagen sollten für künftige Angriffe ausgekundschaftet werden.

Sabotage, August 2024
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Schwedische Behörden warnen vor einem erhöhten Risiko russischer Sabotage, insbesondere in Bezug auf die Rüstungsindustrie. Etwa im gleichen Zeitraum melden schwedische Sicherheitsunternehmen eine Zunahme von Sabotageversuchen. So beobachten sie Drohnenflüge, mit denen offenbar Einrichtungen von Rüstungsfirmen dokumentiert und lokalisiert werden sollen. Der schwedische Verband der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (Soff), der 250 Unternehmen vertritt, registriert darüber hinaus mehrere Versuche, auf illegalem Weg an Informationen zu gelangen.