[Geld sparen: "Lidl ist von allen der teuerste" | ZEIT ONLINE](https://www.zeit.de/entdecken/2025-01/geld-sparen-discounter-einkauf-lidl-aldi/komplettansicht)

 _Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz. Wenn ich günstig einkaufen will, gehe ich zum …_

_Falsch!_

_Wenn Sie günstig einkaufen wollen, können Sie überall hingehen. Aldi, Rewe, Lidl, Kaufland, Edeka. Es kostet eigentlich immer dasselbe. Vor allem aber: Die Discounter sind kein bisschen billiger. Und richtig, das haben wir alle etwas anders verinnerlicht._

_Sven Reuter, Deutschlands führender Kassenbonforscher, setzt sogar noch einen drauf: "Lidl ist von allen der teuerste."_

_Mit der App smhaggle informiert Reuters Unternehmen nicht nur über Sonderangebote im Supermarkt, sondern lässt seine Kunden überall in Deutschland Kassenzettel scannen, zurzeit 10.000 bis 20.000 pro Tag, sagt er. Die Daten wertet Reuter regelmäßig aus. Was die Discounter angeht, sei das Ergebnis klar: Sie sind überhaupt nicht günstiger. "Im Gegenteil: Die Angebote bei Lidl waren bisher regelmäßig die schlechtesten, die es in Deutschland gibt", sagt Reuter bei einem Videogespräch._

_Nur wisse das eben kaum einer._

**Sven Reuter:** Das ist so ähnlich wie mit dem Autoverleiher Sixt. Die hatten den Slogan: Lieber zu Sixt als zu teuer. Tatsächlich ist Sixt sicherlich nicht der günstigste Mietwagenanbieter. Bei [Lidl](https://www.zeit.de/thema/lidl) heißt es: Lidl lohnt sich. Das Unternehmen gibt Hunderte Millionen jährlich für Marketing aus in Deutschland. Für uns Kunden sollte es daher eher heißen: Lidl lohnt es sich zu vergleichen!

**ZEIT:** Und das gilt in ähnlichem Maße für [Aldi](https://www.zeit.de/thema/aldi) – oder Penny?

**Reuter:** Ja, also ich will jetzt kein Lidl-Bashing betreiben. Um Gottes willen. Ist bei Aldi genauso. Alle haben den gleichen Preis. Nehmen Sie Aldis Hofburger Frischkäse – der übrigens aus dem gleichen Werk wie Exquisa kommt –, der ist genauso teuer wie die Eigenmarke von Lidl und die von [Edeka](https://www.zeit.de/thema/edeka), Rewe und die von Penny und die von Norma und die von Netto.

**ZEIT:** Verrückt. 

**Reuter:** Wir haben RTL einmal unterstützt, da wurde das sehr plakativ getestet. Die Händler liegen in Deutschland meist ja auch noch sehr nah beieinander, im Durchschnitt 517 Meter voneinander entfernt. In der Nähe von Kiel hat ein RTL-Reporter eine Familie zum Einkaufen geschickt in vier Supermärkte, die fußläufig 100 Meter, 50 Meter und 20 Meter voneinander entfernt waren. Die Familie sollte dieselben zehn Produkte bei Edeka und [Rewe](https://www.zeit.de/thema/rewe), bei Aldi und Lidl kaufen. Siehe da, auf dem Kassenbon stand jedes Mal: 24,60 Euro. Die dachten, der Reporter verarscht sie.

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**ZEIT:** Es waren identische Produkte derselben Marken oder die vergleichbaren Eigenmarken?

**Reuter:** Das war in dem Fall vor allem Markenware. Sie haben dasselbe kürzlich nur mit Eigenmarken wiederholt. Das Ergebnis war das gleiche. Sie müssen natürlich dieselben Produkte vergleichen. Nicht Lavazza Caffè Crema mit Lavazza Caffè Rosso. Und sie dürfen auch keine Angebote einbeziehen. Denn die machen den Unterschied.

**ZEIT:** Das klingt, als wäre es im Grunde wie bei den Tankstellen. Der Verdacht der Absprache liegt nahe.

**Reuter:** Mit einem Unterschied: Bei den Tankstellen gibt es vielleicht fünf Produkte, also fünf Sorten Benzin und Diesel. Hier reden wir von Tausenden Produkten.

**ZEIT:** Wie ist das passiert?

**Reuter:** Was heißt passiert? Zufälle passieren. Das ist kein Zufall.

**ZEIT:** Marktbeobachter haben vor zehn Jahren schon festgestellt: Die [Discounter](https://www.zeit.de/thema/discounter) haben den aggressiven Preiskampf eingestellt. Sie legen jetzt die Untergrenze der Preise fest, an denen sich alle anderen orientieren.

**Reuter:** Was stimmt: Aldi hat lange die Preise festgelegt. Dazu kommt übrigens: Man sagt ja auch immer, in Deutschland seien die Lebensmittel am günstigsten. Das war vielleicht in den Nullerjahren so. Mittlerweile gehören wir zu den teuersten Ländern im westlichen Europa.

Den Einkauf planen
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**ZEIT:** [Die Preise sind stark gestiegen](https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-06/inflation-preisvergleich-wocheneinkauf-2020-2024).

**Reuter:** Seit Januar 2022 im Schnitt um circa 35 Prozent. Im europäischen Vergleich gehören wir mittlerweile mit zu den teuersten Ländern. Sie müssen mal darauf achten: Da steht dann etwa "Discountgünstig". Was aber nur bedeutet: So günstig wie beim Discounter. Also: wie überall. Im westeuropäischen Vergleich sind viele Markenprodukte in Deutschland aber oftmals locker 10 Prozent teurer. Dort gibt es zwischen den Händlern noch einen Preiswettbewerb und damit auch Preisunterschiede – zwischen 10 und 30 Prozent, beim Normalpreis. Der Leibniz Butterkeks (hält ihn in die Kamera) beispielsweise kostet halt bei dem einen 1,99 Euro und in einem anderen Laden 1,49 Euro. Bei uns sind es überall 1,99. Deshalb kann man davon ausgehen, dass man sich heute nicht an einer Untergrenze, sondern an einer Obergrenze orientiert und versucht, den Preis maximal auszureizen. Die Milka etwa wird demnächst überall 1,99 Euro kosten. Bei dem ein oder anderen Händler ist das jetzt schon so. Ich habe während des Studiums wegen des Stresses teils täglich zwei Tafeln Schokolade gegessen. Das kann sich doch heute keiner mehr leisten.

**ZEIT:** Die Kakaopreise sind natürlich stark gestiegen, die Energiepreise auch.

**Reuter:** Ja, sicher. Das macht einen Teil aus, aber dann wird ausgelotet, wie viel nach oben geht. Die Leute kaufen deshalb weniger. Die Preise sind um etwa 35 Prozent gestiegen, die der Warenkörbe aber nur um etwa 18 Prozent.

**ZEIT:** Dass der Preiskampf der Discounter schon länger beendet ist, könnte theoretisch ja auch heißen: Hersteller werden besser bezahlt, weil deren Kosten gestiegen sind. Bauern bekommen mehr Geld für die Milch.  

**Reuter:** Sehe ich nicht.

**ZEIT:** Sie meinen, da wird alles Geld abgeschöpft, was geht.

**Reuter:** Dafür gibt es Hinweise, ja.

**ZEIT:** Trotzdem haben viele nach der Pandemie angefangen, häufiger und mehr bei Discountern zu kaufen.

**Reuter:** Das ist es ja, dass die Leute es nicht wissen. Ich gehe aus beruflichen Gründen drei-, viermal die Woche einkaufen. Bei Lidl treffen sie auf die wirtschaftlich Schwächsten. Die gehen dahin, weil sie denken, sie würden günstig einkaufen. Noch ein Beispiel, das man mit gesundem Menschenverstand versteht (hält ein Glas Nutella hoch): Überall kostet dieses Glas Nutella 3,49 Euro. Wenn es Wettbewerb gäbe, wieso verkaufen alle dieses eine Produkt überall zum gleichen Preis? Oder, viel verrückter noch: Die Edeka-Gruppe macht 70 Milliarden Umsatz, Norma etwa 4,5 Milliarden. Edeka kauft bei Ferrero vielleicht für 2 Milliarden ein und Norma für 20 Millionen. Wie kann es sein, dass die das dann zum gleichen Preis verkaufen?

**ZEIT:** Sie behaupten, gestützt auf Ihre Kassenbondaten, nicht nur, dass die Discounter kein bisschen billiger sind. Sie sagen auch noch: Edeka ist am günstigsten. Wie kann das aber sein, wenn die Preise überall gleich sind?

**Reuter:** Das liegt an den Angeboten. Damit spart man wirklich. Aldi hat pro Woche etwa 100 bis 120 davon. Bei Edeka sind es fast dreimal so viele, bei Kaufland sogar noch etwas mehr. Lidl liegt mit bis zu 150 Produkten zwischen den beiden. 

**ZEIT:** Wenn ich das zusammenfasse: Discounter haben zwar weiter ein kleineres Sortiment, sind aber kein bisschen günstiger als die anderen Supermärkte. Und nicht nur das: Es gibt dort auch weniger Angebote. Warum sollte noch irgendwer zum Discounter gehen?

**Reuter:** Gute Frage.

**ZEIT:** Kann man dann beim Einkauf überhaupt noch sparen? 

**Reuter:** Ja. Man muss den Einkauf planen. Oft kaufen wir für den Wocheneinkauf ja dieselben Produkte. Gucken Sie davor einfach, wo die meisten davon im Angebot sind. Und gehen Sie dorthin. Mit dieser Methode kann man bis zu 30 Prozent einsparen.

_Dieser Text ist eine Folge der Sparkolumne_ [_"Die Groschenoper"_](https://www.zeit.de/serie/die-groschenoper)_, die man_ [_hier_](https://www.zeit.de/newsletter/index) _auch als Newsletter abonnieren kann. Wie ist Ihr Verhältnis zu Kleingeld, zum Sparen? Finden Sie völlig unnötig? Oder wüssten Sie gern mehr darüber? Wenn ja: Was denn? Haben Sie sogar selbst Tipps? Schreiben Sie uns! Gratis! An:_ [_groschenoper@zeit.de_](mailto:groschenoper@zeit.de)_._