last edited: Sat, 04 May 2019 19:16:44 +0200  
Die Arbeit ist letzten Endes auf die Herrschaft und Einverleibung aus. Sie vernichtet die Distanz zu den Dingen. Der kontemplative Blick dagegen schont sie. Er belässt sie in ihrem Eigenraum oder Eigenglanz. Er ist eine Praxis der Freundlichkeit.

In Byung-Chul Han - Duft der Zeit, S. 79

Der kontemplative Blick ist insofern asketisch, als er auf die Beseitigung der Distanz, auf die Einverleibung verzichtet. In diesem Punkt ist Adorno Heidegger benachbart: "Der lange, kontemplative Blick […] ist immer der, in dem der Drang zum Objekt gebrochen, reflektiert ist. Gewaltlose Betrachtung, von der alles Glück der Wahrheit kommt, ist gebunden daran, dass der Betrachtende nicht das Objekt sich einverleibt."

In Byung-Chul Han - Duft der Zeit, S. 80