Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" beginnt bezeichnenderweise mit dem Wort: "Longtemps, je me suis couché de bonne heure" (Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen). Die deutsche Übersetzung bringt die "bonne heure" ganz zum Verschwinden. Es handelt sich um ein weitreichendes Wort über Zeit und Glück (bonheur). Die bonne heure, die gute Zeit ist das Gegenbild der schlechten Unendlichkeit, der leeren, also schlechten Dauer, in der kein Schlaf möglich ist. Der Zeitriss, die radikale Diskontinuität der Zeit, die auch keine Erinnerung zulässt, führt zur quälenden Schlaflosigkeit. Die ersten Passagen des Romans stellen dagegen eine beglückende Kontinuitätserfahrung dar. Insziniert wird ein müheloses Schweben zwischen Schlafen, Träumen und Wiedererwachen, im wohligen Fluidum von Erinnerungs- und Wahrnehmungsbildern, ein freies Hin-und-Her zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen fester Ordnung und spielerischer Verwirrung. Kein Zeitriss stürzt den Protagonisten in eine leere Dauer. Der Schlafende ist vielmehr Spieler, Wanderer und auch Herrscher der Zeit: "Der Schlafende spannt in einem Kreise um sich den Ablauf der Stunden, die Ordnung der Jahre und der Welten aus."
In Byung-Chul Han - Duft der Zeit, S. 15
Autor: Byung-Chul Han / Pyŏng-ch'ŏl Han
Titel: Die Austreibung des Anderen - Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute
S. Fischer, Frankfurt am Main 2016
ISBN: 978-3-10-397212-2
Die Austreibung des Anderen - Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute (Book, 2016) [WorldCat.org]
Titel: Die Austreibung des Anderen - Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute
S. Fischer, Frankfurt am Main 2016
ISBN: 978-3-10-397212-2
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Autor: Byung-Chul Han / Pyŏng-ch'ŏl Han
Titel: Duft der Zeit - Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens
transcript, Bielefeld 2009
ISBN: 978-3-8376-1157-1
Duft der Zeit ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens (Book, 2015) [WorldCat.org]
시간의향기 = Duft der Zeit : 머무름의기술 (Book, 2013) [WorldCat.org]
Le parfum du temps : essai philosophique sur l'art de s'attarder (Book, 2016) [WorldCat.org]
The scent of time : a philosophical essay on the art of lingering (eBook, 2017) [WorldCat.org]
Titel: Duft der Zeit - Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens
transcript, Bielefeld 2009
ISBN: 978-3-8376-1157-1
Duft der Zeit ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens (Book, 2015) [WorldCat.org]Leih es in einer Bibliothek aus/Get this from a library! Duft der Zeit ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens. [Pyŏng-ch'ŏl Han]
시간의향기 = Duft der Zeit : 머무름의기술 (Book, 2013) [WorldCat.org]Get this from a library! 시간의향기 = Duft der Zeit : 머무름의기술. [Byung-Chul Han; T'ae-hwan Kim]
Le parfum du temps : essai philosophique sur l'art de s'attarder (Book, 2016) [WorldCat.org]Loue ce livre dans une bibliothèque! Le parfum du temps : essai philosophique sur l'art de s'attarder. [Byung-Chul Han; Julie Stroz]
The scent of time : a philosophical essay on the art of lingering (eBook, 2017) [WorldCat.org]Get this from a library! The scent of time : a philosophical essay on the art of lingering. [Byung-Chul Han]
Wo die Praxis eines langfristigen Sich-Bindens, das auch eine Form des Schlusses wäre, der zunehmenden Kurzfristigkeit weicht, steigt auch die Unzeitigkeit, die sich auf der psychologischen Ebene als Angst und Unruhe wiederspiegelt.
In Byung-Chul Han - Duft der Zeit, S. 14
Dem Abspeichern der Information geht das Löschen des Gedächtnisses, das Löschen der geschichtlichen Zeit voraus.
In Byung-Chul Han - Duft der Zeit, S. 13
Und das Subjekt der Erfahrung muss sich offen halten für das Kommende, ja für das Überraschende und Ungewisse der Zukunft. Sonst erstarrt es zu einem Arbeiter, der die Zeit bloss abarbeitet. Er verändert sich nicht. Veränderungen destabilisieren den Arbeitsprozess. Das Subjekt der Erfahrung dagegen ist sich nie gleich. Es bewohnt den Übergang zwischen dem Vergangenen und dem Zukünftigen. Die Erfahrung umfasst einen weiten Zeitraum. Sie ist sehr zeitintensiv im Gegensatz zum Erlebnis, das punktuell, zeitarm ist. Die Erkenntnis ist genauso zeitintensiv wie die Erfahrung. Sie zieht ihre Kraft sowohl aus dem Gewesenen als auch aus dem Zukünftigen. Erst in dieser Verschränkung von Zeithorizonten verdichtet sich die Kenntnis zu Erkenntnis. Diese temporale Verdichtung unterscheidet die Erkenntnis auch von Information, die gleichsam zeitleer oder zeitlos im privativen Sinne ist.
In Byung-Chul Han - Duft der Zeit, S. 13
Die Beschleunigung des Lebensprozesses verhindert, dass abweichende Formen sich herausbilden. Dafür fehlt die Zeit der Reife.
In Byung-Chul Han - Duft der Zeit, S. 12